TREIBEN LASSEN

Stefan Schwarzmüller - Malerei Marion Angulanza - Grafik

Ausstellung:
19. June - 25. July 2026

Treibend erkunden – Treiben lassen

Besucherinnen und Besucher der Galerie Brennwald sind vom 18.Juni bis 25. Juli eingeladen, sich in den Bildern von Stefan Schwarzmüller und Marion Angulanza treiben zu lassen.

Die üppigen Landschaften in Marion Angulanzas Zeichnungen offenbaren bei näherer Betrachtung einen überraschenden Detailreichtum: Wald, Wiesen, Büsche und Wasser setzen sich aus einer Unmenge feiner Strichbündel zusammen. Die Berlinerin hat diese eigene graphische Sprache gefunden, um den Detailreichtum ihrer Motive mit den reduzierten Mitteln des Bleistifts und der Graphitmine in ebendiesen Strichbündeln und Chiffren sichtbar zu machen.

In ihrer neuesten Werkserie, den Fotoscratchings, beschäftigt sich die Künstlerin mit landschaftlichen Fotomotiven, die sie selbst auf Reisen und Wanderungen erstellt. Nachdem die Aufnahmen aus der professionellen Fotoentwicklung gekommen sind, bearbeitet Angulanza die Abbildungen mit verschiedenen Kratz- und Schabwerkzeugen. Die Eingriffe verletzen die vormals glatten, makellosen Oberflächen und es entstehen matte weiße oder silbrig glänzende Linien, Schraffuren, Aushebungen und Strukturen, die eine dreidimensionale Wirkung haben. Während die Grafikerin üblicherweise mit feinem Bleistift ihre Motive auf helles Papier zeichnet, geht sie mit diesem „Negativerfahren“ also den umgekehrten Weg und wandelt ursprünglich Farbiges in Papierweiß um.

Stefan Schwarzmüller nimmt Naturvorbilder zum Anlass, um spielerisch komponierend und verändernd mit Malerei umzugehen. Vor Ort entstandene Studien von Pflanzen, Topographie und Landschaften – Ölskizzen auf kleinen Holztafeln – dienen ihm als Ideengeber für einen imaginären Raum auf der Leinwand. Dieser erscheint jedoch nicht klassisch naturalistisch, sondern durch und durch künstlich künstlerisch innovativ: Schwarzmüllers abstrahierender Ansatz in der Landschaftsdarstellung vereint Klebebänder, gesprühte Farbe, laufende Farbspuren und -spritzer und gelegentlich auch große Farbkleckse, die sogenannten Splashes, die teilweise sogar das Bild und damit die Landschaft dominieren. Auf diese besondere Weise ist die Natur abgebildet und gleichzeitig ihrer Natürlichkeit enthoben, so dass sie im Kolorit als auch in der Formensprache konstruiert erscheint.

Schwarzmüllers Faszination für Wasser findet in der näheren Umgebung von Berlin ebenso wie im südlich gelegenen Spreewald reichlich Nahrung. Und so stehen – getreu dem Ausstellungstitel  – im Fokus unserer Werksauwahl auch diese Wasserflächen, welche Schwarzmüller mit der Vielfalt seiner teils expressiven Techniken überzeugend inszeniert. Im Gegenüber und Miteinander des teils malerischen, teils grafischen Vokabulars, regt der Eindruck von Räumlichkeit, Licht und Atmosphäre den Betrachter dazu an, bildhaft zu denken, zu entschlüsseln und zu vervollständigen.