ZUFLUCHT IM STURM

Lilith Nossol - Grafik Lisa Faustmann - Grafik

Ausstellung:
5. March - 28. March 2026

Die Ausstellung „Zuflucht im Sturm“ präsentiert die Werke der Berliner Künslterinnen Lisa Faustmann und Lilith Nossol, die durch ihre experimentellen Ansätze in der Druckgrafik und ihre gemeinsame Liebe zur Natur eine einzigartige künstlerische Sprache entwickelt haben. Beide haben haben ihre künstlerischen Wurzeln in unterschiedlichen Fachrichtungen – Lisa Faustmann studierte in der Malereiklasse, während Lilith Nossol in der Bildhauerklasse tätig ist. Trotz ihrer unterschiedlichen Herangehensweisen verbindet sie eine enge Künstlerfreundschaft und die gemeinsame Leidenschaft für die Druckgrafik. Der Titel der Ausstellung spiegelt die zentrale Idee wider: Die Kunst als ein Ort der Ruhe und Schönheit inmitten der Unsicherheiten und Herausforderungen der modernen Welt, insbesondere angesichts der Bedrohungen durch den Klimawandel.

Lisa Faustmann und Lilith Nossol verstehen Druckgrafik nicht als rein reproduktives Medium, sondern als experimentellen Erfahrungsraum, in dem Wahrnehmung, Material und Emotion miteinander verschmelzen. Jeder Druck ist Ergebnis eines offenen Prozesses, in dem Zufall, Materialität und bewusste Setzung gleichwertig wirken. Die Natur dient ihnen dabei nicht als Abbild, sondern als Projektionsfläche innerer Zustände.

In den Arbeiten von Lisa Faustmann entwickelt sich die Natur zu einer vielschichtigen Beziehung zwischen Stimmung und Traumlandschaft. Flüchtige, unwiederholbare Momente werden eingefangen und in atmosphärische Bildräume übersetzt. Ihre Druckgrafiken wirken lichtdurchflutet, ruhig und von einer leichten Bewegung getragen. Natur erscheint hier nicht als Abbild, sondern als Ort des Innehaltens und der inneren Veränderung, der durch den unterschiedlichen Blick auf den Moment geprägt ist. Durch die Verbindung von Tiefdruck, Hochdruck und Monotypie entstehen serielle und zugleich Einzelstücke. Experimentelle Ansätze, die Arbeit mit MDF-Platten sowie mehrfarbige Kombinationen ihrer Druckplatten prägen ihre Bildsprache. So zeigt sich die Einzigartigkeit im Seriellen, eine künstlerische Annäherung an Natur, die weniger konkrete Formen als vielmehr Stimmungen und Atmosphären sichtbar macht.

In den Arbeiten von Lilith Nossol wird die Druckgrafik aus ihren eigenen Urprinzipien heraus befragt. Der technische Ausgangspunkt ihrer Tiefdrucke sind strukturierte Raster, Systeme aus streng geordneten Punkten, Linien und Flächen, die zunächst als Ordnungsgefüge erscheinen. Innerhalb dieses Gefüges setzt ein Prozess der Auflösung ein: Die Ordnung wird durch das Motiv unterwandert, das sich allmählich aus dem Raster heraus entwickelt. Aufbrechende Strukturen werden von Bildern vergangener Erinnerungen neu geordnet. Punkte geraten in Bewegung, Flächen verschieben sich, das Geometrische löst sich schrittweise auf, gesteuert durch die innere Logik des Motivs. In der Spannung zwischen Ordnung und Auflösung entsteht eine Verhandlung zwischen Rationalität, eigenem Empfinden und persönlicher Wahrnehmung. Natur erscheint hier nicht als ruhige Landschaft, sondern als bewegter Raum: stürmisch, melancholisch, fragmentiert, als Ausdruck eines inneren Zustands.

Im Austausch zweier unterschiedlicher Positionen, die sich derselben Technik bedienen, entfaltet sich ein Dialog der Gegensätze. Nicht weil das eine ohne das andere nicht bestehen könnte, sondern weil zur Erfahrung immer beides gehört, das Leichte wie das Schwere, das Helle wie das Dunkle. Die Druckgrafik wird von beiden Künstlerinnen als offener und experimenteller Prozess begriffen, in dem jede Veränderung an der Platte und jede Spur des Druckvorgangs im Bild eingeschrieben bleibt. In der Gegenüberstellung beider Positionen begegnen sich Ruhe und Sturm, Ordnung und Auflösung, Licht und Schatten.